UX-Writing: In drei Schritten zur perfekten Microcopy

Deep-Dive into UX-Writing (picture showing diver deep in the ocean)

Einleitung

GUI Texte spielen eine tragende Rolle dabei, wie ein Produkt von der Zielgruppe angenommen wird. Jedoch hilft UX Writing nicht nur dem Endverbraucher, sich in der Anwendung zurechtzufinden: Auch der Designprozess profitiert maßgeblich von professionellen UX Writern, die ihre Ideen bereits in der Entwurfsphase einbringen können.

Ähnlich wie andere Mitglieder des Designteams müssen UX Writer daher ihre Entscheidungen zielführend begründen können. Wie aber kann der UX Writing Prozess transparent gestaltet werden, sodass der Gedankengang dahinter anderen Mitgliedern des Teams ersichtlich ist? Was für Argumente können Sie für Ihre Microcopy vorbringen? Umfassende Recherche und Dokumentation sind der Schlüssel, um als UX Writer erfolgreich zu sein. Erfahren Sie hier, wie Sie den UX Writing Prozess effizient und übersichtlich gestalten, sodass Ihr Team maximal von Ihren Fähigkeiten als Experte für Microcopy profitiert.

UX Writing - Was ist das?

User Experience, auf Deutsch "Nutzererfahrung", sollte jedem, der sich mit der Entwicklung digitaler Produkte befasst, ein Begriff sein. Nur, wenn ein Produkt angenehm zu nutzen ist, hält es seine Nutzerbasis und kann sich auf dem Markt behaupten. Entscheidend dafür sind eine intuitive Bedienbarkeit der Kernfunktionen und eine ansprechende Benutzeroberfläche.
Schwieriger einzuordnen sind für Viele die Begriffe Microcopy und Copywriting. Allgemein befasst sich Copywriting mit der Erstellung von Text (Englisch: "Copy"), der in einer Anwendung einen bestimmten Zweck erfüllen soll. Microcopy ist eine weitere Eingrenzung des Copywriting auf kurze Texte, beispielsweise für Schaltflächen, Tooltips und andere Bedienelemente eines digitalen Systems.
Im UX Writing fließen diese beiden Themenbereiche zusammen. So übernehmen UX Writer Rollen in der Erstellung von Text wie auch in der Behandlung der Frage, wie dieser in das Gesamtkonzept der Anwendung eingebracht werden soll. Es wäre allerdings ein Fehler, Tooltips und die Beschriftung von Buttons nur als das I-Tüpfelchen der User Experience zu betrachten. Dies belegen unter anderem die Erfahrungen von Nina Feinberg, Senior Product Designer der New York Times: Sie stellte fest, dass die Produktionsqualität und die Effizienz des Designprozesses maßgeblich stiegen, wenn anstatt "lorem ipsum"-Platzhaltertext von Anfang an GUI Texte in den Designprozess einflossen und bereits in Prototypen zum Einsatz kamen. Grund dafür ist die höhere Konsistenz des Designkonzepts, die von Anfang an ein Gefühl für die Wirkung des fertigen Produkts vermittelt. So können fundiertere Entscheidungen getroffen werden, um den Prototypen bestmöglich auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zuzuschneiden.

Wer ist der UX-Writer und was tut ein UX-Writer?

Entsprechend sollte UX Writing als ein fortlaufender Prozess angegangen werden, der fester Bestandteil der Content-Strategie ist. Genau wie andere Aspekte des UX Design müssen auch die GUI Texte einer Anwendung gründlich überprüft und gegebenenfalls nachgebessert werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass sie den Anforderungen an Design und Funktionalität gerecht werden und sich nahtlos in das Gesamtkonzept einfügen.
Ihre Aufgabe ist es daher, als Teil der Content-Strategie Richtlinien für Texte im Kontext der Anwendung zu schaffen und umzusetzen. Dies erfordert neben Kreativität auch analytische und kommunikative Fähigkeiten, um Rahmenbedingungen zu verstehen und Entscheidungen anderen Teammitgliedern begreifbar zu machen. Im Gegenzug muss auch das Feedback des Teams mit in die Erstellung der Texte einfließen, um hochwertige und passende Microcopy zu erstellen.

Was macht gute Microcopy aus?

Qualitativ hochwertige GUI Texte zeichnen sich dadurch aus, dass sie Nutzern eine effiziente und zielführende, vor allem aber angenehme, Navigation der Anwendung ermöglichen. Um dies zu gewährleisten, muss eine Reihe von Kriterien unbedingt erfüllt werden.

  1. Prägnante Aussage: Sieht der Nutzer eine Meldung oder eine Schaltfläche, muss diese ihn ansprechen und zum Handeln ermutigen. Entsprechend sollte der Bildschirmtext sich auf das Wesentliche beschränken. Hilfs- und Modalverben wie "ist" oder "kann" blähen ihn in diesem Fall nur unnötig auf - also weg damit!
  2. Klare Handlungsaufforderung: Eine wichtige Entscheidung verdient auch die entsprechende Wertschätzung. Um diese zu vermitteln, reicht es oft bereits aus, das "OK" aus Dialogfeldern zu verbannen. Beschriften Sie Buttons stattdessen mit einem eindeutigen Call-to-Action, der die ausgeführte Handlung beschreibt.
  3. Passender Sprachstil: Unternehmen schaffen Wiedererkennungswert, indem sie ihre Corporate Identity aufbauen. Daher müssen auch Bildschirmtexte in digitalen Anwendungen "on-brand" sein. Kurzum, sie müssen sprachlich dem Charakter entsprechen, den Nutzer von Ihrem Unternehmen erwarten.

Power Words: Worte wie "gratis" oder "neu" üben eine geradezu hypnotische Wirkung auf Nutzer aus. Diese gilt es im UX Writing zu nutzen. So lenken Sie durch sinnvoll im GUI Text gestreute Power Words den Fokus der Nutzer auf die Aktionen, die Sie sich erhoffen.
Wichtig dabei ist jedoch, ein Mittelmaß zu finden zwischen einer Anleitung zur gewünschten Aktion und der Eigeninitiative der Nutzer. Sind Kompromisse notwendig, sollten diese immer zugunsten der Zielgruppe ausfallen. So könnten Nutzer, die mit Power Words bombardiert werden, sich dadurch gegängelt fühlen, was den umgekehrten Effekt hätte. Ebenso sollten Übersimplifikationen vermieden werden, die Wesentliches auslassen. Besteht Erklärungsbedarf, schaffen Tooltips und virtuelle Touren Abhilfe.

Wie arbeitet ein UX-Writer?

Zu diesem Zweck arbeiten UX Writer eng mit dem Content- und Designteam zusammen, um Texte und Beschriftungen zu erstellen, die aktuelle Features optimal vervollständigen. Umgekehrt kommunizieren sie Anforderungen an das Design, die sich aus der Content-Strategie ergeben. Somit stellen sie eine wichtige Schnittstelle dar, die einen Beitrag zur fortlaufenden Verbesserung des Produkts leistet. Anhand von Performanceindikatoren (KPI) und eigener Recherche erarbeiten UX Writer Verbesserungen an der Content-Strategie und passen die Texte der Anwendung fortlaufend an die Rahmenbedingungen an. Entscheidende Bedeutung kommt dabei auch der Dokumentation zu: Sind Änderungen notwendig, muss dies für den Rest des Teams nachvollziehbar sein - insbesondere dann, wenn sich die Auswirkungen über mehrere Aspekte des Produkts erstrecken und zusätzlichen Arbeitsaufwand verursachen.

Wie erstellt man gute UX-Writing-Texte bzw. Microcopy?

Der Prozess des UX Writing ist, wie bereits erwähnt, ein fortlaufender Verbesserungsprozess. Neue Erkenntnisse, Feedback und KPI machen eine ständige Evaluation erforderlich. Somit finden die einzelnen Schritte des Schreibprozesses oftmals überlappend für verschiedene Bausteine des Systems statt. Dennoch sollte jeder Schritt für jeden Textbaustein gewissenhaft angegangen werden. Dies vermeidet Komplikationen im weiteren Verlauf der Entwicklung, die durch geänderte Anforderungen entstehen können.
Für die Kooperation mit anderen Teammitgliedern und den Austausch von Feedback ist es zudem ratsam, eine cloud-basierte Softwärelösung zu verwenden. Mehr dazu, welche Software zur Arbeit an GUI Texten geeignet ist, erfahren Sie in
unserem Artikel zum Thema.

Schritt 1 | Recherche

Um als UX Writer fundierte Entscheidungen zu treffen, ist eine gründliche Recherche unabdingbar. Neben dem Verhalten von Nutzern und den Problemen, die bei der Benutzung der Anwendung auftreten, sollte der Fokus besonders auf der Art liegen, wie die Zielgruppe sich ausdrückt.
Kundenkommunikation, sowohl untereinander als auch mit dem Unternehmen, ist für diesen Zweck eine reine Goldgrube. So bieten Supportanfragen, Diskussionsforen und Kundenfeedback nicht nur Aufschluss über Features, die Nutzern Schwierigkeiten bereiten; sie liefern auch einen Überblick darüber, über welchen Wortschatz Ihre Zielgruppe verfügt und in welchem Ton sie selbst angesprochen werden will.
Erfassen Sie die Ergebnisse stets in organisierter Form. Dazu bietet es sich an, eine Tabelle in Excel oder einem vergleichbaren Programm zu erstellen und die gängigen Probleme der Zielgruppe untereinander aufzulisten und zu vermerken, wo Text benötigt wird. Diese Tabelle bildet im weiteren Verlauf Ihrer Arbeit eine der Grundlagen zur Erstellung eines Copydoc.

Schritt 2 | Entwicklung von Varianten

Bevor Sie mit der Erstellung von Texten beginnen, ist es notwendig, die Resultate Ihrer Recherche zu formalisieren. Verfahren wie Torrey Podmajerskys Voice Chart ermöglichen die geordnete Erfassung von Standards für Texte im Anwendungskontext in Form einer Liste von Kriterien. Auf diese Weise ist überprüfbar, ob Microcopy dem Sprachstil der Anwendung gerecht wird.
Bei der Entwicklung von Entwürfen für GUI Texte ist zudem eine enge Zusammenarbeit mit den GUI Designern Ihres Teams erforderlich. Daher empfiehlt sich ein strukturierter Ansatz, der Rahmenbedingungen wie die Zielgruppe, den Zweck des Texts und die erwarteten Handlungen des Nutzers erfasst und Erfolgskriterien definiert, auf die in späteren Assessments Bezug genommen werden kann.
Eine Möglichkeit dafür ist die von Jane Ruffino entwickelte
Microcopy Canvas, die mit einer Visualisierung des gesamten Prozesses von der Idee bis zum fertigen Entwurf eine Grundlage für die produktive Diskussion mit Teammitgliedern liefert. Der wesentliche Vorteil dieser Methode liegt darin, dass Entwürfe in einem informellen Kontext angesprochen können. Dabei ist es hilfreich, gleich mehrere Entwürfe zu pitchen. So kann hilfreiches Feedback für die weitere Richtung des UX Writing gewonnen werden.

Schritt 3 | Dokumentation und Evaluation

Halten Sie Ihre Ergebnisse in einem Copydoc fest. Dieses kann in jedem gängigen Text- oder Tabelleneditor erstellt werden und sollte zu jedem Stück Text Informationen beinhalten, die dessen präzise Einordnung in den Kontext der Anwendung ermöglichen. Ferner bietet es sich an, Alternativen aufzulisten, die zuvor verworfen wurden. So haben Sie diese parat, falls die Gegebenheiten eine Änderung erfordern.

Fazit

Sie sehen: Der UX Writing Prozess ist zwar aufwendig, kann jedoch durch systematische und gewissenhafte Planung und Aufbereitung wesentlich effizienter gestaltet werden. Spezialisierte UX Writer erfüllen somit eine tragende Rolle, indem sie andere Mitglieder des Teams entlasten und eine Schnittstelle zwischen Content und Design schaffen. Sie sollten daher möglichst früh in die Content-Strategie eingebunden werden, um konsistentere und hochwertige Entwürfe zu erstellen. Darüber hinaus folgen GUI Texte einer Reihe fester Regeln; so gilt es, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie Ihr Unternehmen schreibt, und dieses kundenorientiert in Texte einfließen zu lassen. Mehr dazu, wie Sie mit Ihrer Zielgruppe in Dialog treten und die User Experience zu einem angenehmen Erlebnis machen, erfahren Sie in unserem Seminar UX-Writing in der Technischen Kommunikation | Grundlagen nutzerzentrierter Oberflächentexte. Melden Sie sich jetzt an!

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